Rechtzeitiges
Erscheinen sichert eine gute Ernte. Wer gestern noch einige der frisch aus
der Erde geholten Kartoffelsorten selber mit auflesen wollte, der musste
schon zeitig aus den Federn.
Nach
wenigen Minuten waren die von Bernd Leonard und Martin Schmitt aus Dreska
mit den Pferden Heidi und Judy mittels einer Kartoffelschleuder
ausgeworfenen Erdäpfel aufgelesen. Nachdem bereits am Morgen hunderte Gäste
über das Gelände des pomologischen Schaugartens geschlendert waren,
wuchs der Besucherstrom am Nachmittag auf mehrere Tausend an. Im Rahmen
der Eröffnung der 7. Apfeltage wurde am Morgen von Apfelpapst"
Klaus Dietrich und Naturparkleiterin Malin Walther ein weiterer
Bauabschnitt des Pomogartens eingeweiht.
Auf
dem Festplatz im Ortszentrum warteten Stände aus den Themengebieten
Natur, Landwirtschaft und Umwelt mit einem reichhaltigen Informations-
und Lebensmittelangebot auf. Selbst Vogelscheuchen und Strohpuppen durften
nicht fehlen. Döllinger und Plessaer Kinder hatten sie gebastelt. Dafür
gab es für alle Preise. Dr. Hilmar Schwärzel informierte Neugierige über
die Schätze in ihren Gärten. Viele Besucher hatten unterschiedlichste Äpfel
zum Teil aus jahrhundertenalten Sorten zur Bestimmung durch den Fachmann
von der Landesanstalt für Gartenbau Müncheberg mitgebracht.
Veit Rösle
Apfeltage: eine
Erfolgsgeschichte für die Streuobstregion Döllingen-Hohenleipisch
aus der Lausitzer Rundschau
Döllingen-Hohenleipisch Inzwischen
hat er sich zu einem kleinen Volksfest entwickelt: Der Niederlausitzer
Apfeltag, der am Sonntag das 15. Mal stattfindet, zieht mit einer bunten
Programmmischung alljährlich im Herbst viele Besucher nach Döllingen in
den Pomologischen Schau- und Lehrgarten. Als Jahreshöhepunkt der
Streuobstregion im Naturpark „Niederlausitzer Heidelandschaft“ ist der
Apfeltag zugleich Teil einer Idee, in der sich rund um den Apfel Aspekte
des Naturschutzes, der Landwirtschaft und des Tourismus ranken. Im
RUNDSCHAU-Gespräch erzählte Andrea Opitz von der Naturparkverwaltung im
Gespräch über das Naturpark-Streuobstprojekt.
24.09.2009
Äpfel in vielen verschiedenen Sorten können am Sonntag
wieder in Döllingen gekauft, gekostet und auch bestimmt
werden. Archivfoto: Veit Rösler
Frau Optiz, am Sonntag wird in Döllingen zum 15. Mal der
Niederlausitzer Apfeltag veranstaltet. Ein besonderes Ereignis?
Auf jeden Fall, denn mit dem 15. Apfeltag wird auch das
Streuobstwiesenprojekt im Naturpark „Niederlausitzer
Heidelandschaft“ 15 Jahre alt. Dieses Projekt ist eine
Erfolgsgeschichte: Wir haben mit einem Hektar Streuobstwiese
angefangen. Heute bewirtschaftet allein der Grödener Schradenhof um
Döllingen und Hohenleipisch 50 Hektar nach Richtlinien des
ökologischen Landbaus. Über 4000 Obstbäume wurden seither im
Streuobstgebiet um Döllingen und Hohenleipisch neu gepflanzt.
Darüber hinaus gibt es viele kleinere Bestände, die wieder
bewirtschaftet werden, und den Pomologischen Schau- und Lehrgarten
in Döllingen mit vielen alten Obstsorten. Das hat sich alles erst in
den vergangenen Jahren entwickelt. Insgesamt werden heute wieder 150
Hektar Streuobstwiesen bewirtschaftet.
Was erwartet den Besucher?
Es gibt ein buntes und wirklich vielseitiges Programm, das wieder
mit einem Festgottesdienst um zehn Uhr beginnen wird. An 55 Ständen
werden Händler regionale Waren anbieten, es gibt Musik und
Unterhaltung. Parallel zum Volksfestcharakter haben wir viele
Fachinformationen vorbereitet. Wie immer wird ein Pomologe Obst
bestimmen, es gibt zwei Baumschnittseminare und die Möglichkeit,
Bäume zu bestellen. Außerdem wird eine Neuheit im Naturpark
vorgestellt: das Niederlausitzer Heidebier, das im Brauhaus Radigk
in Finsterwalde gebraut wird.
Welcher Zuspruch ist aus Ihrer Erfahrung für den Apfeltag zu
erwarten?
Der Zuspruch ist enorm gewachsen. Beim ersten Apfeltag, der in der
Plessaer Elstermühle stattfand, waren wir 20 Leute. Beim zweiten Mal
im Kreismuseum Bad Liebenwerda kamen vielleicht 100. In den
vergangenen Jahren hatten wir bis zu 5000 Besucher. Inzwischen gibt
es auch weitere Veranstaltungen, die sich mit dem Apfel und dem
Thema Streuobst befassen, zum Beispiel das Blütenfest oder die
Veranstaltungen im Pomologischen Garten an jedem vierten Sonntag im
Monat.
Das Thema Apfel spielt im Naturpark also eine immer größere
Rolle?
Eindeutig. Es gibt seit einigen Monaten auch die „Niederlausitzer
Apfelroute“, die vom Naturpark gemeinsam mit dem Tourismusverband
Elbe-Elster-Land entwickelt wurde. Und wir haben die Apfelwochen,
die sich an den Apfeltag anschließen und an denen sich jetzt auch
die Restaurants und Gaststätten der „Regionalen Speisekarte“
kulinarisch beteiligen. Der Apfel ist zu einem zentralen Thema
geworden.
Warum ausgerechnet der Apfel?
Weil sich mit dem Apfel, der ja stellvertretend für die
Streuobstwiesen im Naturpark steht, die Themen Naturschutz,
Landwirtschaft, Regionalentwicklung und Tourismus erfolgreich
miteinander verbinden lassen.
Was macht Streuobstwiesen für den Naturschutz eigentlich so
interessant?
Streuobstwiesen bestehen in der Regel aus einem Baumbestand, der 100
Jahre und mehr alt werden kann, und extensiv genutzter Wiese. Damit
bietet sie Lebensraum quasi auf zwei Etagen und ermöglicht eine
große Artenvielfalt – bis zu 4000 verschiedene Pflanzen- und
Tierarten können in Streuobstbeständen ihr Zuhause haben. Durch die
meist extensive Bewirtschaftung wird diese Artenvielfalt noch
gefördert. Das macht Streuobstwiesen so erhaltenswert aus Sicht des
Naturschutzes. Ganz abgesehen von ihrem Wert für den Anblick einer
Landschaft.
Auch anderswo spielt der Apfel in der Selbstvermarktung von
Regionen eine große Rolle, zum Beispiel in der Rhön, von wo Sie ja
auch Anregungen bezogen haben. Kann der Naturpark Niederlausitzer
Heidelandschaft da überhaupt mithalten?
Ich war selbst in der Rhön und habe mir das angeschaut. Mein
Eindruck ist: Was das Streuobst betrifft, können wir mindestens
genauso viel, wenn nicht noch mehr bieten. Dort gibt es einen
Sortengarten – wir haben den Pomologischen Schau- und Lehrgarten.
Dort wie hier gibt es Streuobstlehrpfade, wird das Obst zu Säften
und anderen Getränken verarbeitet. Was die Akteure in der Rhön
besser können: sich zu vermarkten und den Apfel von der
Streuobstwiese zu Geld zu machen. Da engagieren sich vielfach Gast-
und Landwirte aus eigenem Antrieb und Interesse, die haben einfach
ihre Chance erkannt. Die Voraussetzungen haben wir auch, nur an der
konsequenten Vermarktung hapert es noch.
Wie ist es im Naturpark dazu gekommen, dass der Apfel zum Thema
wurde?
Ins Leben gerufen wurde das Streuobstprojekt durch Klaus Dietrich
aus Plessa, der ja mitunter als „Streuobstpapst“ bezeichnet wird.
Ohne seine Hartnäckigkeit wäre hier nichts geworden. Er hat auf das
Thema aufmerksam gemacht und dazu beigetragen, dass das
Streuobstgebiet um Döllingen und Hohenleipisch nicht verschwunden
ist. Später kam dann der Schradenhof als Landwirtschaftsbetrieb
hinzu, der den Erhalt der Streuobstwiesen auf eine wirtschaftliche
Grundlage gestellt hat.
Auch Sie sind seit Jahren stark in das Thema involviert. Aus
eigenem Interesse?
Zunächst vor allem aus beruflichen Gründen, denn Streuobst betrifft
meinen Aufgabenbereich in der Naturparkverwaltung, die Landnutzung.
Aber ich finde das Thema persönlich natürlich auch höchst
interessant. Es ist toll, dass wir damit so weit gekommen sind. Auch
ehrenamtlich engagiere ich mich dafür. Ich bin Vorsitzende des
Vereins „Kerngehäuse“, der unter anderem Träger des Pomologischen
Gartens und der Niederlausitzer Apfelroute ist.
Glauben Sie, dass sich die Menschen in der Region mit dem Thema
Apfel identifizieren?
Ich denke ja. Das Bewusstsein wächst immer mehr. Man sieht das an
dem Zuspruch. Wer einmal bei einer unserer Veranstaltungen war,
kommt meist immer wieder. Das war vor 15 Jahren noch ganz anders.
Damals galten wir als grüne Spinner. Heute löst es Erstaunen aus,
was wir alles erreicht haben.